Wilhelm Resetarits – 1948-2022

Willi, du wirst uns fehlen!

Timing ist alles. Wer singt, braucht gutes Timing, um den Text in der Musik richtig zu platzieren. Wer manche Lieder oft singt, und das hat Willi Resetarits gewiss getan, braucht noch besseres Timing, um den Text immer ein bisschen anders, so wie es jeder neue Augenblick verlangt, zu interpretieren.

Willi Resetarits war musikalisch hochbegabt. Jede Verszeile, jedes Wort, jede Silbe brachte er mit so perfektem Timing, dass es seinem Publikum zuerst den Atem verschlug und dann zum Nachsingen auf ewig ins Gedächtnis einbrannte.

Dazu kam Resetarits‘ Stimme. Er hatte stets eine Träne auf den Stimmbändern. Noch die rasanteste Nummer war zum Heulen schön.

Der Schreiber dieser Zeilen hat Resetarits zum ersten Mal in den 1980er Jahren im Wiener Lokal „Titanic“ erlebt. Da war er als Ostbahn-Kurti dabei, Österreichs Popmusik den Stempel aufzudrücken. Noch 2003, als er den Ostbahn mit einem Galakonzert auf der Hohen Warte in Pension schickte, war dieser Geist der 1980er zu verspüren.

Resetarits war ein Teamplayer. Der früh verstorbene Günther Brödl war der – auch wörtlich so genannte – Trainer des Ostbahn-Kurti. Die Mitglieder seiner Bands, von Chefpartie über Kombo bis Stubnblues, waren ihm heißgeliebte Bühnenmitstreiter*innen. Ernst Molden, der ihm in den letzten Jahren unfassbar schöne Texte und Lieder in die Stimme legte, darf als Anzünder eines neuen Leuchtfeuers in Resetarits‘ Laufbahn bezeichnet werden. Die Familie im heimischen Stinatz, Burgenland, versorgte ihn mit kroatischen Volksliedern. Unvergesslich, wie er mit seiner Mutter sang: 1995 beim Fest der Freiheit am Heldenplatz anlässlich „50 Jahre 2. Republik“.

Willis Engagement abseits der Musik war von der gleichen Leidenschaft getragen wie jede Silbe, die er auf der Bühne sang. Mit dieser Leidenschaft, mit dem hoch lodernden Feuer der Menschlichkeit, konnte er überzeugen.

Willi Resetarits und Glatt&Verkehrt – das war eine über 20-jährige Beziehung: 1999 trat er zum ersten Mal bei uns auf und es war wie ein Sturmwind, was sich da bei den Winzern Krems abspielte. Niemand stellte die Frage, ob das das zum klassischen Glatt&Verkehrt-Repertoire passte. Es passte einfach. Weitere Auftritte folgten: Mit Florian Randacher erarbeitete Willi eine Begegnung von Ostbahn und den Ausseer Hardbradlern. Mit Tini Kainrath und String Fizz sang er zum ersten Mal einen Abend lang Gershwin. Mit Ernst Molden ließ er dessen Liederzyklus „Schdrom“ durch Spitz an der Donau fluten. Und als wir 2020 Glatt&Verkehrt Pandemie-bedingt „in einer Nussschale“ veranstalteten, spielte er mit Stefan Schubert ein unvergessliches Duo-Konzert im Wirtshaus Salzstadl.

Sein Timing passte immer. Nur für das Sterben nicht. Aber dafür gibt es kein gutes Timing.

 

Albert Hosp, im Namen des Glatt&Verkehrt-Teams, 24.04.2022.

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